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Deklaration von Futtermitteln Teil 2

„Dog Food“ von Jason Meredith - Flickr.Bildquelle „Dog Food“ von Jason Meredith – Flickr.

Im 2. Teil der Artikelserie zu den Deklarationen von Fertigfutter geht es um die 3 verschiedenen Möglichkeiten der Deklaration. Diese sind:

  • Die geschlossene Deklaration
  • Die halboffene Deklaration
  • Die offene Deklaration

Diese Bezeichnungen lassen (entgegen zu denen im Teil1 Deklarationen von Futtermitteln) schon einen recht guten Schluss auf ihre Aussagekraft zu. Leider lässt sich für die normalen Verbraucher aber gar nicht auf den ersten Blick erkennen, welche davon denn nun zur Anwendung gekommen ist. Deshalb werfen wir jetzt mal einen näheren Blick auf jede einzelne:

1. Die geschlossene Deklaration

Bei der geschlossenen Deklaration werden nur die Gruppenbezeichnungen verwendet. Also z.B.:

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Gemüse, Getreide, Mineralstoffe.

Diese Gruppen dürfen keine prozentualen Mengenangaben haben, da dies nur für Einzelzutaten erlaubt ist. Aus dieser Deklaration kann ich quasi überhaupt keine Rückschlüsse ziehen, was denn nun in dem Futter verarbeitet wurde. Lediglich die Reihenfolge der Zutaten gibt Aufschluss darüber, welche Zutaten mengenmäßig am meisten vertreten sind, da die Aufzählung ja (erinnerst du dich?) der Menge nach in absteigender Reihenfolge erfolgen muss.

Ich rate dringend davon ab, ein Futtermittel zu kaufen, das mit dieser Deklaration ausgestattet ist. Denn die Frage, die sich natürlich stellt, ist: Wieso benutzt der Hersteller denn diese Art der Deklaration und nicht eine offene?

2. Die halboffene Deklaration

Hier wird zwar zunächst in den Gruppen deklariert (wie bei der geschlossenen), es werden dann jedoch einige wichtige Einzelzutaten prozentual genannt. Nun lässt sich zumindest teilweise erkennen, was im Futter enthalten ist (denn das, was genannt ist, MUSS natürlich den Tatsachen entsprechen). Auf der Verpackung steht dann z.B.:

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (20 % Wildfleisch, 10 % Geflügelfleisch), Gemüse (10 % Möhren), Getreide (5 % Reis).

Wie du siehst, wissen wir jetzt zumindest schon mal, dass „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse” Mengenmäßig am meisten vorhanden sind, dass Wildfleisch und Geflügelfleisch verarbeitet wurde und auch dass Möhren und Reis verarbeitet wurden. Trotzdem bleibt noch so einiges offen.

Wie hoch ist der Gesamtanteil vom Fleisch?

Wie hoch sind überhaupt der Fleischanteil und der der sogenannten tierischen Nebenerzeugnisse? Und was wurde sonst an Fleisch, Gemüse und Getreide verarbeitet? Reagiert ein Hund z.B. empfindlich oder gar allergisch auf Mais, lässt diese Deklaration keinen Schluss darauf zu, ob in diesem Futter Mais vorhanden ist.

Also, was schließen wir daraus? Ganz klar, auch diese Art der Deklaration ist nicht geeignet zu erkennen, was im Futter drin ist und ein Futter mit dieser Deklaration sollte man im Geschäft stehen lassen. Denn auch hier muss man sich ja wieder die Frage stellen: Was hat der Hersteller zu verbergen?

Hundefutter

So nicht!!

3. Die offene Deklaration

Diese Art der Deklaration stellt die einzige akzeptable Art der Deklaration von Futtermitteln dar. Es werden ALLE Einzelzutaten aufgelistet, auch hier in absteigender Reihenfolge. Ich kann also genau erkennen, was im Futter ist und welche Zusammensetzung besteht. Ob die Einzelzutaten noch mit Prozentzahlen ausgestattet sind, bleibt den Herstellern überlassen. Ein Hersteller, der ABSOLUT nichts zu verbergen hat, wird das Futter auch mit diesen Zahlen ausstatten. Eine OPTIMALE Deklaration sieht also so aus:

20 % Rinderfleisch, 11 % Rinderlunge, 10 % Rinderherz, 10 % Rinderleber, 10 % Rinderpansen, 10 % Fisch, 5 % Euter, 5 % Karotten, 4 % Haferflocken, 0,04 % Rapsöl

Wenn du jetzt zusammen rechnest, kommst du aber nicht auf 100 %, oder? Erinnerst du dich, im letzten Beitrag habe ich dir erklärt, dass Wasser nicht als Zutat aufgelistet werden darf, da es ein Hilfsmittel darstellt. Das Wasser (das im Herstellungsprozess als sogenannte Zellflüssigkeit durch den Garvorgang entsteht) stellt die restliche Menge dar. Und voilà, habe ich eine Deklaration, die völligen Aufschluss darüber gibt, was im Futter genau enthalten ist.

Leider wird diese Art der Deklaration aber nur selten von den Herstellern angewendet.

Du als Käufer hast aber entscheidenden Einfluss darauf, dass sich das ändert. Jetzt, da du weißt, wie die Deklaration funktioniert, kannst du darauf verzichten, Futter zu kaufen, das nicht ordentlich deklariert ist. Und so zeigen, dass du weißt, wie der Hase läuft.

Wenn du das nächste Mal eine Dose in der Hand hast, die nicht ordentlich deklariert ist, frage dich doch einfach, was der Hersteller denn wohl zu verbergen hat …

Hier geht es weiter: Deklaration von Futtermitteln Teil 3

Futterplanbestellen5

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Über Anke (143 Artikel)
Hallo, ich bin Anke, Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe hier über die Ernährung, aber auch weitere spannende Themen rund um Hunde. Auf www.deinfuttercheck.de biete ich individuelle Ernährungsberatung für Hunde an.

5 Kommentare zu Deklaration von Futtermitteln Teil 2

  1. Wieder einmal sehr spannend und informativ. Und auch, wenn wir fast nichts kaufen und selber koche und trocknen ist es gut diese Kenntnis zu haben und an andere Hundebesitzer weitergeben zu können…
    Gibt es eigentlich keine gesetzliche Vorschrift, die die Mindestangabe auf den Futterpackungen regelt? Ist doch sonst alles irgendwo vorgeschrieben.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Hallo liebe Sabine,

      weitergeben ist eine gute Idee :-) … Und selber machen sowieso.

      Zu den Gesetzen: Doch, quasi alles von mir genannte muss auf den Verpackungen stehen. Und noch ein paar andere Punkte. Alles in allem das folgende:

      – Futtermittelart (Also z.B. Alleinfuttermittel)
      – Die Tierart / Kategorie (z.B. für Hunde)
      – Name und Anschrift des Herstellers
      – Inhaltsstoffe
      – analytische Bestandteile
      – Feuchtgehalt
      – Zusammensetzung
      – Kennzeichnungspflichtige Zusatzstoffe
      – eine sogenannte Kennnummer der Partie
      – Nettomasse
      – Mindesthaltbarkeitsdauer
      – Hinweise zur sachgerechten Verwendung / Fütterungsempehlung

      Weiter ist verpflichtend, dass die gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen. Außerdem muss eine der 3 verschiedenen Möglichkeiten der Deklaration Anwendung finden, was aber für die Hersteller genügend Schlupflöcher bietet. Ich finde gerade diesen Teil wichtig für Hundehalter, da einem klar ist, wenn jemand die geschlossene Deklaration benutzt, hat er etwas zu verbergen.

      Ich freue mich natürlich sehr, dass auch dieser Beitrag dir wieder gefallen hat. Hast du den Beitrag denn gehört oder gelesen? Mich würde brennend interessieren, wie das mit dem hören so ankommt. Ob das positiv aufgenommen wird, oder ob es eher uninteressant ist.

      Wünsche euch ein schönes Wochenende, hoffe Socke geht es besser …

      Liebe Grüße
      Anke

      • Herzlichen Dank für Deine Erläuterungen. Ist ja wirklich eine Wissenschaft für sich…Schon, dass Du uns das alles so gut aufbereitest..

        Ich habe es gelesen. Aber gerne höre ich es mir an und gebe Dir ein Feedback. Nicht heute, aber sicher in den naächsten Tagen. Denn ich bin sicher ich werde es mir öfter anhören.

        Viele liebe Grüße
        Sabine mit Socke

  2. Liebe Anke,

    ich finde diese Beiträge zum Thema Deklaration sehr interessant. Allerdings kann ich nicht allem ganz zustimmen. Ich kaufe Bio-Futter für meinen Hund, ich finde es ist sehr hochwertig und sie Deklarieren wie folgt: 65 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (Pute), 28,8 % Trinkwasser, 3 % Kartoffeln, 2 % Spinat, 0,7 % Mineralstoffe, 0,5 % Sonnenblumenöl.

    Da ich mich selbst ausgiebig mit diesem Thema befasst habe, weiß ich, dass diese DEklaration offen und mehr als ehrlich ist. Denn kein Hersteller kann garantieren dass am “Koch-Tag” 10 % Rinderlunge, 11 % Rinderherz vorhanden sind – es gibt hier im Bio-Bereich starke Schwankungen. Deswegen finde ich diese Art der Deklaration viel ehrlicher, denn es wird mir nichts aufgezeigt, was nicht drin ist.
    Tierische Nebenerzeugnisse, die von den meisten ja verrufen sind, entsprechen letztendlich den Innereien und nichts anderes. Zudem finde ich den Hinweis mit dem Wasser sehr wichtig, denn so sehe ich wirklich wie viel Fleisch enthalten ist. Viele lassen das Wasser nämlich nicht einfach weg, sondern rechnen es dem Fleischanteil zu und schwupps kommt man auf 80 % Fleisch – was stuzig machen sollte!
    Was ich noch erwähnenswert finde: Nur weil “Rind” auf einem Produkt steht, muss noch lange nicht “Rind” enthalten sein. Steht auf einem Produkt “mit Rind” müssen immerhin 4 % den Fleisches Rindfleisch sein – der Rest ist billiges Schweinefleisch. Und dass Vierbeiner mehrere Fleischsorten eigentlich nicht so gut vertragen sollte klar sein.

    Sorry, jetzt ist das recht lang geworden, wollte ich eigentlich gar nicht :)

    Dennoch finde ich deine Beiträge wirklich super und gut durchdacht… Und gerade für unerfahrene Hundebesitzer einfach klasse!!!

    • Hallo liebe Simone,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich immer, wenn ich (ruhig auch etwas längere) Meinungen von meinen Lesern erhalte, so sehe ich ja, sie haben sich mit dem Inhalt des Artikels auseinander gesetzt.

      Ich kann dir aber nicht so ganz folgen …

      Zum Bio-Futter, finde ich natürlich super, dass du bio auswählst!! Aber – das: “77 % Huhn (Hals, Herz, Magen, Leber)” ist z.B. auch die Deklaration von einem Bio-Futter. Wieso sollte das nicht gehen? Ich möchte schon wissen, was GENAU im Futter drin ist. Und du hast recht, wenn drauf steht “mit Rind” brauchen nur 4 % enthalten sein. Noch besser wird es, wenn drauf steht “Mit Rindgeschmack”, dann braucht sogar überhaupt kein Rind drin sein, sondern lediglich ein Geschmacksstoff. Die Futtermitteldeklaration ist sehr tükisch, da muss man oft sehr aufpassen ..

      Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse sind aber nicht nur Innereien, Originaltext aus dem Gesetz:

      “Alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern oder Teilen von Tierkörpern warmblütiger Landtiere”.

      Innereien sind eigentlich gar nicht verrufen, vor allem in der Frischfütterung (barf) sind sie sogar sehr beliebt. Meine Hunde bekommen oft Pansen und Co. Aber es sollte auf der Dose drauf stehehn, damit ich weiß, ob ich meinem Hund nun Innereien fütter, oder Schlund, oder Muskelfleisch … Manchmal ist das ja auch relevant, z.B. können Innerein belastet sein, Schlund hat eventuell Hormone mit drin. Auch der Feuchtgehalt variiert, je nach Fleischsorte. Wasser im Futter fällt übrigens unter die Verarbeitungshilfsstoffe und muss deshalb nicht deklariert werden. Wenn man aber die Zutaten in einer genauen Auflistung hat, weiß man Bescheid. Im Fleisch selber ist ja auch noch mal Wasser enthalten, Muskelfleisch enthält z.B. etwa 70 % Wasser.

      Vielen Dank für dein Lob, darüber freue ich mich ebenfalls :-D

      Liebe Grüße
      Anke

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