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Artgerechte Ernährung ist wichtig!

Die Diskussionen um artgerechte und gesunde Ernährung gehen weiter. Man streitet sich, was für Hunde wirklich wichtig und gesund ist. Sogar die Definition artgerecht scheint nicht eindeutig auf einen Nenner zu passen. Ist Getreide für Hunde artgerecht? Bietet der Wolf ein gutes Vorbild für artgerechte Ernährung? Wie wäre es mal mit ein paar Antworten?

Das ist er, der Wolf. Der Wolf, von dem unsere Haushunde erwiesenermaßen abstammen. Der Wolf, den es nun schon seit Millionen Jahren gibt, nach wie vor. Der Wolf, der überlebt, obwohl niemand seine Nahrung dahingehend überprüft, ob sie denn auch seinen Nährstoffbedarf deckt. Der Wolf, der keine Waage, keinen Herd, keine Nahrungsergänzungen hat.

Wolf und Hund haben sich vor über 15.000 Jahren getrennt. Trotzdem – ihr Verdauungssystem ist nahezu identisch. Beider Gebiss ist das eines Fleischfressers, wobei sie sich leicht voneinander unterscheiden. Das mag sicher daran liegen, dass der Wolf ganze Beutetiere zu sich nimmt, während der Hund mit einem Futternapf vorlieb nehmen muss. Genetisch sind sie sich immerhin noch so nahe, dass sie miteinander verpaart werden könnten und dabei tatsächlich zeugungsfähiger Nachwuchs heraus käme.

Aber Wölfe in freier Wildbahn werden nicht alt, Hunde werden älter!

Oft wird als Grund dafür, weshalb die Ernährung der Wölfe für Hunde kein gutes Vorbild sei, ja argumentiert, Wölfe in freier Wildbahn würden statistisch gesehen nur um die 4 Jahre alt. Naja, das mag ja durchaus sein. So steht ihnen z. B. im Falle einer Infektion kein Antibiotikum zur Verfügung, Verletzungen werden nicht gereinigt und versorgt, oder gar verbunden, Blutungen dabei werden nicht gestillt. Also mag da draußen in der Wildnis durchaus der ein oder andere Wolf Verletzungen erliegen, wegen derer kein Hund sein Leben lassen würde.

Todesursache Nr. 1

Nun die Überraschung! Todesursache Nr. 1 bei freilebenden Wölfen ist natürlich nicht ein Mangel in ihrer Nährstoffversorgung – sondern der “unnatürliche” Tod. Die unnatürlichsten Todesursachen überhaupt für sie – sie werden überfahren, erschossen, vergiftet.  Von Wölfen, die an Diabetes, Allergien, Krebs erkrankt sind, hört man dagegen eher weniger. Haupttodesursache bei Hunden stellt übrigens die Erkrankung an Krebs dar.

Wölfe, die in Gehegen leben, werden dagegen weitaus älter, ein Alter zwischen 13 und 17 Jahren entspricht dort durchaus der Normalität. Ihre Ernährung entspricht aber der ihrer freilebenden Artgenossen (ja, komisch, nicht? Es ist tatsächlich noch niemand auf die Idee gekommen, für in Gefangenschaft lebende Wölfe ein bedarfsdeckendes Fertigfutter zu entwickeln). Womit eindeutig dargelegt wäre, dass die Lebenserwartung der Wölfe nicht als Gegenargument bei einer wolfsähnlichen Ernährung von Hunden dienen kann.

Künstliche Anpassung funktioniert nicht!

Auch in der Natur kommt es vor, dass sich z. B. Tiere an ihre Umwelt anpassen und sich mit dem ernähren, was eben zur Verfügung steht. Trotzdem lässt die Natur sich nicht überlisten, bzw. nur bedingt anpassen. So eine Anpassung kann durchaus eine Weile funktionieren. Irgendwann kommt aber trotzdem der berühmte Schuss, der nach hinten los geht. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Pandabär.

Pandabären haben nach wie vor das Verdauungssystem eines Fleischfressers. Pandabären sind vom Aussterben bedroht. Pandabären müssen Unmengen ihrer Hauptnahrungsquelle Bambus zu sich nehmen, um ihren Nährstoffbedarf zu decken. Der Fleischfresser-Verdauungstrakt kann nämlich nur schwer die Nährstoffe aus dem Bambus gewinnen (auch heute noch, obwohl die Nahrungsanpassung schon vor sehr langer Zeit stattfand). Die Haupttodesursache beim Pandabären ist Parasitenbefall. Extremer Parasitenbefall lässt auf ein schlechtes Immunsystem, ein schlechtes Hautmillieu und eine ungünstige Darmflora schließen. All dies wird hauptsächlich durch die Ernährung bedingt …

Studien

Es mag durchaus eine nachweisbare Größe sein, wenn Hundefutter anhand von Nährstofftabellen zusammengesetzt wird. Dass es darauf aber nicht hauptsächlich ankommt, zeigen Studien*, die sich mit der Lebenserwartung von Hunden befasst haben.

Dabei wurden verschiedene Faktoren wie Rasse, Größe, Hormonstatus, Ernährung auf ihren Einfluss bzgl. der Lebenserwartung überprüft. Das Ergebnis war, der wichtigste Faktor dabei ist die Ernährung – und – wichtigste Message – am ältesten werden Hunde, die mit selber zusammengestellten Rationen ernährt werden.

Dabei war wohl nicht ausschlaggebend, ob Tabellen mit den entsprechenden Nährwerten zurate gezogen wurden, sondern dass frische  Futterkomponenten gewählt wurden. Diese sind besser verdaulich, qualitativ hochwertiger, nicht von (schädigenden) Zusatzstoffen begleitet.

Eine weitere Studie** ergab, dass Hunde, die mit rohem Futter – vor allem rohem Fleisch im Futter – aufgezogen wurden, als erwachsene Tiere weniger häufig an Allergien leiden. Es wurde untersucht, welchen Einfluss die Nahrungskomponenten auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen oder Hauterkrankungen haben.

Dabei reichte zwar schon ein Anteil von 20% Rohfutter in der Gesamtration, trotzdem ist die Botschaft ja wohl klar: Je artgerechter das Futter ist, umso mehr beugt es der Gesunderhaltung vor.

 

Am ältesten werden Hunde, die mit selber zusammengestellten Rationen ernährt werden. Hunde, die mit rohem Futter aufgezogen werden, leiden weniger häufig an Allergien!

Der Trend

Es mag durchaus noch nicht jedem aufgefallen sein. Trotzdem ist es so, dass der Gesundheitszustand unserer Hunde sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verschlechtert hat. Und das trotz weiter entwickelter, besserer medizinischer Versorgung. Da mag es durchaus gerechtfertigt sein, sich zu fragen, ob das nicht vielleicht doch im Zusammenhang zu den weiteren Entwicklungen zu sehen ist, die da sind: starke Fixierung auf Fertigfutter mit zum (großen) Teil fragwürdigen Inhalten, ebenso Überimpfung und Übermedikation. Ich sage nicht böse Futtermittelindustrie, böse Pharmaindustrie, böse Tierärzte. Ich sage schlicht: Bitte selber überlegen und dann entscheiden, was für einen Hund denn nun gesund und artgerecht bedeutet.

*Studie G. Lippert u. B. Sapy, 2003, **Studie Finnland, Paasikangas et al., 2013

Hinweis zu den Texten

Alle meine Empfehlungen und Ausführungen wurden sorgfältig recherchiert, sind jedoch ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Im Einzelfall benötigt es immer auch die Betrachtung der individuellen Umstände und es muss entsprechend eine individuelle Vorgehensweise gewählt werden. Im Zweifelsfall sollte Unterstützung und Rat an entsprechender Stelle gesucht werden.

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Über Anke (158 Artikel)
Hallo, ich bin Anke, Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe hier über die Ernährung, aber auch weitere spannende Themen rund um Hunde. Auf www.anke-jobi.de biete ich individuelle Ernährungsberatung für Hunde an.

7 Kommentare zu Artgerechte Ernährung ist wichtig!

  1. Liebe Anke,

    im Prinzip ist es doch für alle Lebewesen das Selbe. Möglichst frische und gesunde Lebensmittel.
    Was ich ganz interessant fand, dass ich irgendwo mal auf das Argument, der Mensch soll ja schließlich auch kein Fertigessen essen gelesen haben, dass die Herstellungsverfahren beim Tierfutter aber besser und nicht mit denen bei menschlichem Fertigessen zu vergleichen seien. Nun da stellt sich mir die Frage, wenn das soviel besser ist und die Nährstoffe und alles wirklich so gut erhalten bleiben, warum muss man dann zum einen zusetezen und warum setzt man diese Verfahren dann beim Menschen nicht ein?
    Ich kann allerdings auch verstehen, wenn jemand vor der Rohfleischfütterung zurück schreckt. Es wird einem irgendwie ständig Angst und Bange gemacht, dass man seinen Hund nicht ordentlich ernährt. Mal soll er das nicht fressen, dann doch wieder. Mal ist jenes nicht gut, dann aber doch wieder. Das verwirrt und macht unsicher. Außerdem muss ich sagen, dass meine Tiefkühlfächer vom Kühlschrank mittlerweile meinem Hund gehören. Für mich selber habe ich dort keinen Platz mehr. Dabei hatte ich mich bei meinem Umzug sehr darüber gefreut nun endlich mehr Platz im Gefrierschrank zu haben und auch mal etwas einfrieren zu können vom gekochten Essen. Nun damit ist es nun rum. Natürlich mach ich das gerne und es geht auch so. Ebenso finde ich Urlaube im Vorraus immer etwas stressig. Wir fahren oft weg. Nun wenn es geht, nehme ich ihr gewohntes Futter mit, wenn ich nicht weiß, ob wir eine Kühlmöglichkeit haben gibt es dann Dose. Es ist definitiv einfacher Fertigfutter zu füttern aus meiner Sicht.
    Trotzdem lohnt es sich für mich. Erstens ist Leona nun gesund und hat keine Schwierigkeiten mit Durchfall und Erbrechen mehr. Ich befürchte sie ist auch so klein geblieben, weil sie in der Anfangszeit mit Fertigfutter nicht richtig versorgt wurde (wie auch, wenn sie alles auskotzt). Zweitens ernährt sich der Rest unserer Familiie auch so gut es geht gesund und frisch und warum soll ich da bei einem Familienmitglied eine Ausnahme machen?
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Hallo liebe Miriam,

      ja, genau diese Frage habe ich mir auch schon gestellt … wieso nicht auch für Menschen nach diesem Konzept, wenn es doch so toll ist? Die Antwort liegt nahe, Menschen würden das nicht mitmachen, Hunde können sich nicht wehren :-D

      Die Dosen-Alternative finde ich völlig in Ordnung, im Urlaub. Es gibt ja auch sehr hochwertige Dosen, mit natürlichen Zutaten. Das Gefrierfach-Problem kenne ich ebenfalls, deshalb ist bei uns eine Gefriertruhe geplant. Bie jetzt bekomme ich es noch halbwegs hin. Muss aber jede Woche einkaufen (das relativiert sich, weil ich auf meinem Bauernhof eh keine allzu großen Mengen bekomme).

      Die Größe ist übrigens genetisch festgelegt, nicht abhängig von der Nahrungszufuhr. Davon ist lediglich die Geschwindigkeit abhängig. Langsam wachsen ist gesünder. Leona hatte gerade ihren 1. Geburtstag, da wird sich wohl nicht mehr viel tun,bzgl. Wachstum. Aber Mädels sind ja eh gemeinhin kleiner und zierlicher :-D

      Ich kann auch die Menschen verstehen, die sich einfach nicht an die Frischfütterung rantrauen. Da kann man aber auch mit hochwertiger Dose und der ein oder anderen Ergänzung recht gut “arbeiten”. Alles aber mit der Sicht, dass es sich nur um Richtwerte handelt, die alle ganz natürlichen Schwankungen unterliegen. Deshalb kann man ganz entspannt bleiben, auch wenn mal 50 mg Vitamin A fehlen :-D

      Du siehst das alles herrlich undogmatisch, finde ich klasse!

      Liebe Grüße
      Anke

  2. Es wurde bei einer Tierfutterschulung vom dozierenden TA auch das Totschlagargument gebracht, dass Wölfe in freier Wildbahn seltenst älter als 4 Jahre werden.
    Leider hiess es für mich :”beisse nie die Hand, die Dich füttert”- diese Aussage tat einfach nur weh und quoll vor Schwachsinn nur so über.
    Es tut einfach nur weh, dass Leute, die es eigentlich besser wissen müssten, wissentlich einen solchen Humbug erzählen und verschweigen, dass der Wolf in freier Wildbahn nie einen TA oder eine weiche Couch zu Gesicht bekommt- und ausserdem erschossen oder vergiftet wird…

    Mein Verständnis für die Fütterung von Fertigfutter hält sich arg in Grenzen- auf der einen Seite sagen die Besitzer, dass sie ihren Hund lieben- auf der anderen Seite muss es einfach und billig sein. Eine Ausnahme bildet da das kleine Mütterchen mit kleiner Rente…

    Als ich mich schlau gemacht habe über die Rohfütterung, war ich auch geplättet, wieviele Meinungen es da gibt- und jeder weiß es besser und der Hardcorebarfer hat es studiert…

    Also habe ich mir das für mich Verständlichste rausgesucht und hab angefangen zu probieren. Das Ergebnis waren und sind 4 gesunde Hunde mit Mords-Appetit.
    (Übrigens: die von Dir empfohlenen Kokosflocken funktionieren ,-)

    Das Gefriertruhenproblem kennen wir hier auch- wobei ich mich im Namen der Hunde durchsetzen konnte: die Hälfte gehört dem Hundefutter.

    • Hallo Steffi,

      Anfang des Jahres habe ich einmal ein total spannenden Bericht im Radio über Wölfe gehört, da ist mir das erste Mal klar geworden, was für ein komisches Argument das mit dem Alter ist. Und im übrigen – man muss ja nur mal in einen Zoo gehen, selbst da wird kein einziges Tier mit irgend einem Fertigfutter ernährt, sondern alle so, wie die Natur es vorgegeben hat. Wo bleiben da bloß all die Argumente bzgl. der Nährstoffversorgung :-D

      Verständnis habe ich schon, vor allem weil ich weiß, dass der Fertigfutter-Gedanke einfach sehr fest in den Köpfen sitzt. Ich habe den Leuten vor gut 6 Jahren ja selber noch einen Vogel gezeigt: “wie BARFEN?? Was für ein Blödsinn ist das jetzt schon wieder?? Im Hundefutter ist doch ALLES drin!!” :-D

      Liebe Grüße
      Anke

  3. Wenn man Wolf und Hund doch endlich einmal trennen würde – nach über 40 000 Jahren Domestikation (wahrscheinlich sogar noch viel mehr) haben die beiden wirklich nicht mehr viel miteinander gemeinsam. Sie vestehen einander nicht einmal – der Wolf hat 32 Möglichkeiten der Mimik, der Hund ca. sechs, und sie verpaaren sich nur, wenn sie unbedingt müssen und sich sehr lange und sehr gut kennen. Dass das Verdauungssystem von Wolf und Hund “nahezu identisch ist” stimmt auch nicht – jedenfalls nicht mehr, als mein Verdauungssystem nahezu identisch ist mit dem eines Gorillas. Trotzdem kann ich mich vollkommen anders ernähren – und muss das auch! – als ein Menschenaffe.
    Was ist überhaupt “der Wolf”? Welcher Wolf denn? Es gibt ca. 15 – 20 Unterarten, die sich erheblich unterscheiden, wärhend es über 400 Hunderassen gibt – und bei keiner anderen Säugetier-Spezies gibt es so extrme Unterschiede in der Körpergröße (also auch Körperöberfläche) wie beim Hund. Ich kann nicht einmal die sechs Hunde in meinem Haushalt gleich ernähren, weil sie ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben – die Galgos brauchen vor allem Fett und Kohlenhydrate und weniger Protein, andere brauche viel mehrProtein und möglichst wenig Kohlenhydrate.
    Große Hunde haben im Verhältnis zu ihrer Körpermasse einen kürzeren Darm als kleine Hunde. Der Gewichtsanteil des Darms liegt bei einem 5 Kilo schweren Hund bei ca. 7% der gesamten Körpermasse, bei einem 60 kg schweren Hund nur bei knapp 3%. Darum setzen große Hunde öfter Kot ab als kleine und haben häufig eine schlechtere Kot-Qualität. Außerdem geben sie mehr Natrium in den Dickdarm ab, wodurch der Kot wässriger und weicher ist. Also haben große Hunde auch einen anderen Nahrungsbedarf als ganz kleine Hunde.
    Hund und Wolf haben vollkommen unterschiedliche Nährstoffbedürfnisse. Das liegt schon einmal daran, dass der Wolf tägich ca. 50 km zurücklegt, was kein Hund weit und breit schafft. Die häufigste Todesursache bei Wölfen ist NICHT der “unnatürliche Tod” – wer aufmerksam Günther Bloch gelesen hat weiß, dass wilde Wölfe normalerweise nicht älter werden als fünf Jahre. Das macht der Natur auch nichts aus: Bis dahin hat er sich ein paar Mal fortgepflanzt, und nur darum geht es. Für unsere Hunde aber wünschen wir uns ein langes und gesundes Leben.
    Tote Wölfe in der Natur sind viele Male obduziert worden, und siehe da: Sie haben fast alle Kupfer, Selen und Zinkmangel (laut Bloch). Ich habe auch noch nie Fotos von wildlebenden Wölfen mit einem so schönen, glänzenden Fell gesehen, wie es viele, viele Hunde haben.
    Der Wolf ist ein Fleischfresser. Das ist der Hund nicht – er ist ein Omnivor, denn er kann Stärke hervorragend nutzen, was der Wolf nicht kann (von dem Gebiß sollte man sich nicht täuschen lassen – auch der Panda-Bär hat ein Carnivoren-Gebiß, ist aber ein reiner Pflanzenfresser. Seine Bambus-Ernährung und Verwurmung mit der Evolution von Hunden und Wölfen gleichzusetzen,ist so, als wolle man Äpfel und Bananen vergleichen und beweist überhaupt nichts – hat außerdem völlig andere Hintergründe.). Die Studien der Universität Uppsala sind mittlerweile hinreichend bekannt: Der Hund, der vom Menschen erschaffen wurde, hat sich im Laufe der Evolution an dessen Nahrung angepaßt – und verfügt über 32 Genome, mit denen er Stärke hervorragend aufspalten, verdauen – also nutzen kann. Der Wolf verfügt dagegen über 2 Genome, um Stärke zu verdauen: Mit einer Diät von “normalem” Trockenfutter würde er bald sterben. Der Hund dagegen lebt damit sehr gut. So, wie ein Neandertaler garantiert entsetzliche Bauchschmerzen bekommen hätte, würde er M&Ms, Eiscreme und Kinderschokolade essen – während wir Menschen damit sehr gut leben (manche so gar über-leben :) können.
    Völker, die KEINE Landwirte waren, haben große Probleme mit der Verwertung von Kohlenhydraten, andere Völker können keinen Alkohol abbauen, wieder andere vertragen überhaupt keine Kuhmilch. Für unsere Kinder ist Milch aber durchaus sehr gesund, unser Verdauungssystem freut sich über ein gewisses Maß an Kohlenhydrate, und angeblich ist ein gewisses Maß an Rotwein gut fürs Herz. Aber eben nicht fpr Koreaner).
    Um Krebs, Allergien etc. zu entwickeln, lebt der Woplf schlicht nicht lange genug – so, wie man im 19. Jahrhundert auch nur selten an Krebs erkrankte, weil die wenigsten Menschen älter wurden als 40 Jahre. Es gibt viele, viele Hinweise darauf, dass Allergien zustande kommen, weil viel zu viele Proteinquellen gleichzeitig gefüttert werden, weil die Hunde unendlich viel Streß haben, weil sie ununterbrochen gefüttert werden (Leckerlis!), weil sie zu viel Abwechslung bekommen und der Darm dem Angebot (Montags Huhn, Dienstags Ziege, Mittwochs Forelle, Donnerstags Pute, Freitags Bison, Samstags Rind, Sonntags Wild) nicht gewachsen ist.
    Ein ausgewachsener Wolf braucht im Schnitt ca. drei Kilogramm Nahrung am Tag. er kann größere Mengen auf einmal fressen als der Hund und längere Zeit hungern. Sein Magen ist überaus dehnbar – der Wolf kann bis zu einem Fünftel seines Körpergewcihts PRO MAHLZEIT aufnehmen. Der Hund würde daran jämmerlich zugrunde gehen.
    Der Wolf frisst – entgegen landläufiger Meinung – NICHT den Magen-Darm–Trakt der Beutetiere und schon gar nicht deren Inhalt, sondern nur die Hülle. Der pflanzliche Inhalt des Magen-Darm-Trakts enthält für den Wolf nur wenig verwertbare Nährstoffe.
    Ein großer Unterschied zwischen frisch erlegter beute und Schlachtfleisch ist, dass Schjlachtfleisch entblutet ist. Wölfe fressen im Vergleich mit gebarften hunden mehr Innereien und vermutlich auch mehr Knochen. Neuere Untersuchungen weisen daraufhin, dass Wölfe tatsächlich im Vergleich zu den Nährstoffempfehlungen für Hunde (die laut vieler Barfer doch angeblich sinnlos überhöht sind) bei einigen Mernalstoffen und Spurenelementen eine HÖHERE Aufnahme haben.
    Es gibt zahllose Studien, die an der Berliner und der Münchener Uniklinik durchgeführt wurden (beide UNiversitäten verfügen über eine Ernährungsfachklinik für Haustiere) und es stellte sich heraus, dass es tatsächlich kaum eine Rolle spielt, wie “frisch” oder gekocht das Futter für Hunde ist. Wichtig ist, dass die Tiere die notwendigen Nährstoffe in ausreichendem Maß erhalten, und gerade in sehr vielen Barf-Rationen sind diese nicht enthalten, weil die Menschen glauben, sie könnten Mangelerscheinungen schnell sehen – das stimmt aber nicht. Ernährungsmängel sind sehr häufig erst nach vier, fünf Jahren erkennbar. Und ein glänzendes Fell bedeutet auch nicht wirklich viel – nur, dass genügend Öl im Futter enthalten ist. Nicht einmal Blutuntersuchungen geben irgeneinen Aufschluß, denn die Aussagekraft der Nährstoffgehalte im Blut ist schwach und immer nur eine Momentaufnahme. Eine Beurteilung der mittel- und langfristigen Nährstoffversorgung ist anhand einer Blutuntersuchung nicht möglich.

    I der Tat scheint es immer mehr Hunde zu geben, die Fertigfutter nicht mehr vertrafgen. Diese Hunde profitieren eindeutig von einer Futterumstellung. Es muss aber gar nicht zwingend frisch oder roh sein – der gleiche positive Effekt läßt sich auch bei einer Umstellung auf selbst gekochtes Futter beobachten. Es hängt immer davon ab, was im Futter drin ist. Kein Verdauungssystem schafft, wie in einem sehr verbreiteten, hochgelobten Trockenfutter elf (11!) verschiedene tierische Proteinsorten pro Mahlzeit, dazu 37 verschiedene Kräuter. Stattdessen sind die Zutaten in den meisten selbstgemachten Futtersorten schlicht hochwertiger – außer, die Menschen verwenden dann kommerzielle Barf-Menüs, in denen viel Kopffleisch, Schlund und Kehlkopf enthalten ist. Denn auch das ist nicht von der hand zu weisen: Die Schilddrüsenerkrankungen sind kometenhaft angestiegen, seit die ganze Welt barft. Die Schilddrüsenanteile in diesen Fleischsorten sieht man nicht.
    ich könnte jetzt ewig weiterschreiben, ein ganzes Buch daraus machen. Will ich nicht. Ich möchte nur, dass man ENDLICH aufhört, Wolf und Hund miteinander zu vergleichen. Sie haben nichts mwehr gemeinsam. Sie haben Angst voreinander, andere Kommunikationsmöglichkeiten, verstehen einander nicht und wollen auch nicht gleich ernährt werden – der eine nicht, und der andere auch nicht.

    • Hallo liebe Katharina,

      vielen Dank für diesen langen Kommentar! Ich will auf Einzelheiten jetzt gar nicht weiter eingehen. Vieles von dem, was Sie schreiben, ist mir bekannt. Einiges noch nicht, aber ich unterstelle jetzt einmal, dass Sie weitaus bessere Quellen haben, als ich (kleine Bloggerin und Ernährungsberaterin :-D ). Insofern freue ich mich, über diesen Kommentar vielleicht auch noch das ein oder andere gelernt zu haben. Ich schreibe gerne Beiträge, die an der ein oder anderen Stelle auch mal provozieren. Im übrigen bin ich durchaus der Meinung, dass Barfen lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. Meine Ernährungsberatung basiert auf den ernährungsphysiologischen Bedarfswerten nach NRC-Vorgaben, danach richte ich mich auch bei von mir ausgestellten Barfplänen.

      Liebe Grüße
      Anke

      P.S. Zur Todesursache von Wölfen: Welche Bloch-Veröffentlichung gibt darüber Aufschluss?

  4. Hallo Frau von der Leyen,

    die erste Seltsamkeit, welche mir auffällt: im Gegensatz zu Hund und Wolf können Sie sich weder mit einem Gorilla noch mit einem Neandertaler verpaaren. Dies bedeutet, dass (nach meinem schlechten biologischen Wissen) etwa 98% des Genoms von Hund und Wolf identisch sein müssten.
    Desweiteren sind mir persönlich ehrlich gesagt die Studien von irgendwelchen Unis egal, wenn ich dann wieder höre, dass durch Industriefutter Hunde schwer krank werden können.
    Z.B. gibt es z.Z. anwaltliche Ermittlungen in den USA von einer Sammelklage gegen Nestle (Beneful), weil nach dem Konsum genannten Futters Hunde elend verstorben sind. Gleiches passierte vor einiger Zeit in Venezuela, wo Nestle dann auch “Fehler” eingestehen musste.

    http://www.focus.de/finanzen/boerse/nestle-im-ard-markencheck-maggi-nescafe-smarties-sind-nestle-produkte-ihr-geld-wert_id_4962447.html

    Und dies ist nur ein Hersteller von Fertigfutter.
    Die Eigenschaft eines Unternehmens ist der Wille zum Profit- und nicht unbedingt der Wille zur Gesunderhaltung.

    Es ist auch mir klar, dass jahrtausendelange Domestikation den Hund stark verändert hat- er hat sich an das Leben mit dem Menschen angepasst- auch deswegen versteht er den Wolf nicht mehr. Ganz sicher nicht, weil er anders ernährt wird- sondern weil ein Leben mit dem Menschen über Generationen prägt.

    Ich füttere seit fast 25 Jahren roh und habe gute Erfahrungen damit- im Gegensatz zu meinen Erfahrungen mit Industriefutter. Und genau aus dem Grund- und nicht wegen irgendwelcher Studien bin ich der Meinung, dass das meiste Industriefutter für den Hund schlicht Gift ist.
    Verwandtschaft mit dem Wolf hin oder her. 98% Übereinstimmung im Genom reichen mir persönlich aus, um zu wissen, dass meine Hunde Fleisch wollen.

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