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Ware Hund – Vom Umtausch nicht ausgeschlossen

Tiere keine Sache - Kopie

Manchmal lese oder höre ich Dinge, die mich zweifeln lassen, ob ich hier in dieser Welt eigentlich richtig bin. Heute war mal wieder so ein Tag. Während dem Frühstück blätterte ich in der neuen Ausgabe der Zeitschrift “Partner Hund” und blieb an einem Artikel mit der Überschrift “Welche Rechte hat der Käufer?” hängen.

Angekündigt war der Artikel auf dem Cover der Zeitschrift mit dem Satz “Ihr gutes Recht als Hundekäufer”. Der Artikel wurde von einer Anwältin verfasst und das beigefügte Bild der Expertin spricht quasi Bände. Der Artikel steht in der Ausgabe 11 / 2015.

Schadensersatz oder Nachbesserung?

Wie aus der Überschrift unschwer zu erkennen, geht es in dem Artikel darum, was passiert, wenn mit der Ware Hund etwas nicht in Ordnung ist. Im Artikel wird der Hund als Verkaufsgegenstand bezeichnet, es geht um einen “Mangel am Hund”, darum, wer den Mangel beweisen muss, um Rechtsfolgen des Mangels, um sogenannte “Nachbesserung am Hund”, Rücktritt vom Kaufvertrag, Schadensersatz, Garantie, Minderung des Kaufpreises …

… und dann war mir schlecht …

Dem Gesetz nach sind Hunde keine Sachen, schon eine ganze Weile nicht mehr. Aber – ebenfalls dem Gesetz nach – müssen sie als solche behandelt werden. Da es sich bei einem Hund um ein Lebewesen handelt, ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar, dass es diese Vorgehensweise noch immer gibt. Dass aber nun hingegangen wird und auch noch ausdrücklich auf die Rechtslage rund um den “Verkaufsgegenstand Hund” hingewiesen wird, ist für mich die absolute Spitze dieses Eisbergs! Schäm dich, Partner Hund!

Manch ein deutscher Bürger mit dem typischen ausgeprägten deutschen Ordnungssinn und Rechtsempfinden mag jetzt argumentieren: “Ja, natürlich, ist doch richtig so! Muss ja alles rechtlich geregelt sein! Ein Käufer muss doch abgesichert sein!” Trotzdem sehe ich das etwas anders. Mir geht es hier eindeutig zu viel um menschliches Recht und zu wenig um das Recht des Hundes. Denn der Hund ist hier, in dieser Konstellation, das schwächste Glied der Kette. Alleine aus diesem Grund würde ihm in meinen Augen der größte Schutz gebühren. Stattdessen redet man von “Mangel am Hund” und gar von Umtausch.

Ich drücke das jetzt mal sehr überspitzt aus: Wenn jemand ein Kind adoptiert hat, würde er auf die Idee kommen, das Kind zurück zu geben, weil es eine Krankheit oder Behinderung, also einen “Mangel” hat? Aber ja, ist natürlich nicht das gleiche. Und ich sollte das nicht vermenschlichen, ist klar … Hallo??? Nicht das gleiche??? Ein Hund ist ein Lebewesen, empfindet Gefühle wie Schmerz, Freude, Trauer, ist völlig abhängig von seinem “Gönner” Mensch, abhängig von dem, was dieser mit ihm anstellt.

Anstatt also die Rechtslage um den Hundekauf herum zu stärken, sollte man lieber den Umgang mit Hunden optimieren. Das hätte dann zur Folge, dass es überhaupt nicht mehr zu solchen Situationen kommen kann, in denen die Käuferrechte ausgelotet werden müssen.

Wie soll das gehen?

Auch dafür könnten Gesetze bemüht werden. Gesetze z.B. die die Zucht von Hunden strenger regeln, Gesetze, die unterbinden, dass es sogenannte Hundevermehrer gibt.

Schon unsere Kinder sollten lernen, wie Hunde (oder Tiere allgemein) behandelt werden sollten. Dem gegenüber steht natürlich der Umgang mit unseren Nutztieren, der ebenfalls sehr überdacht werden sollte. Jeder Mensch sollte wissen, dass man einen Hund nicht im Internet kauft (auch wenn der Versandkostenfrei geliefert wird) oder verkauft. Für seriöse Züchter, die aus Liebe am Hund züchten, nicht aus Profitgründen, sollte es selbstverständlich sein, dass die Übergabe an einen Halter immer zum Wohle des Hundes sein muss.

Einem gut informierten zukünftigen Hundehalter sollte klar sein, dass man einen Hund aus einer ordentlichen Zucht nicht zum “Schnäppchenpreis” bekommt, sondern dass in ein gesundes, gut vorbereitetes Hundeleben viel Geld gesteckt werden muss, was durchaus auch hohe Preise rechtfertigt. Nur weil ein Labrador fast 1000 Euro kostet, heißt das nicht, dass der Züchter jetzt reich wird. Es kann ebenso gut heißen, dass er in den Fortbestand der Rasse und das individuelle Hundeleben viel Geld gesteckt hat, um eine optimale Grundlage zu schaffen.

Und beide, Züchter und Hundehalter, sollten gemeinsam bemüht sein, das Hundeleben in eine gute Spur zu bringen. Wozu sollten die dann über die Rechtslage rund um den Verkaufsgegenstand Hund informiert sein müssen?

Meine Meinung …

Ich finde es sehr traurig, einen solchen Artikel in einer renomierten Hundezeitschrift zu lesen. Deutsches Recht hin oder her. Und ein zukünftiger Hundehalter, der sich vorab ordentlich und umfassend informiert hat (wie man es tun sollte!!), wird sowieso zu einem guten Züchter gehen (oder einen Hund aus dem Tierschutz holen, der ist dann aber vom Umtausch ausgeschlossen).

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Über Anke (144 Artikel)
Hallo, ich bin Anke, Ernährungsberaterin für Hunde, Naturheilkundlerin und schreibe hier über die Ernährung, aber auch weitere spannende Themen rund um Hunde. Auf www.deinfuttercheck.de biete ich individuelle Ernährungsberatung für Hunde an.

6 Kommentare zu Ware Hund – Vom Umtausch nicht ausgeschlossen

  1. Liebe Anke,

    ich kann deinen Ärger gut nachvollziehen. Ich sehe es wie du, wenn man sich einen Hund ins Haus holt, sollte man nicht überlegen, was im Falle eines „Mangels“ wäre und ob man ihn dann „umtauschen“ kann.

    So etwas sollte man VOR dem Kauf tun – wir haben das auch so gemacht. Bevor Moe einzog, sind wir zum Check beim Tierarzt gefahren und haben auch auf HD prüfen lassen – natürlich mit Wissen der Besitzerin.

    Wir haben das gemacht, um vorbereitet zu sein, um zu wissen, ob Moe irgendwelche Krankheiten mitbringt, die uns verschwiegen wurden. Und das war gut so, denn wir wussten so vorab, was finanziell auf uns zukommt.

    Im Nachhinein auf so ein Recht pochen zu wollen, ist zwar „typisch deutsch“ – aber geht definitiv zu Lasten des Hundes.

    Super Artikel!

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Hallo liebe Nicole,

      ja, von Hundehalter-Seite hat es nicht zuletzt damit zu tun, dass oft vorschnell und ohne wirklich alle Konsequenzen zu berücksichtigen, ein Hund “angeschafft” wird. Und eben mangelndes Wissen. Wenn man sich vorab z. B. auch über die Gesundheitsrisiken informiert (wie ihr das auch gemacht habt) , weiß man eben auch, was eventuell kommen kann und vor allem, worauf man schon am Anfang achten sollte, vor der Anschaffung.

      Liebe Grüße
      Anke

  2. Wieder so ein schwieriges Thema. Natürlich sehe ich den Hund auch nicht als Ware an und für mich käme es nie in Frage einen Hund zurück zu geben, egal wie krank er wäre. Das wäre für mich tatsächlich so, als würde man ein adoptiertes Kind wieder abgeben, weil es sich als Krank erweist und zu viele Kosten verursacht. Ich glaube (hoffe!) auch, dass die meisten Hundebesitzer das so handhaben würden.
    Dennoch finde ich es wichtig, dass es auch beim Hundekauf Rechte des Käufers gibt. Ich bekomme gerade bei der Bulldoggenzucht so viele schlimme Sachen zu hören. Da sind Leute, die Hunde gekauft haben, die sich kurz danach als schwer krank erwiesen haben und dann tausende von € an Arztkosten hatten (ganz zu schwiegen vom lebenslangen Leiden der Tiere). Und dann finde ich es – in manchen Fällen – durchaus berechtigt, wenn der Verkäufer Verantwortung übernimmt und zumindest einen Teil der Kosten trägt- Und dann finde ich es auch nicht verkehrt, wenn eine Zeitschrift über solche Rechte aufklärt.
    Jetzt ist es natürlich ganz schwer zu beurteilen, in wie Weit ein Züchter da Mitschuld trägt. Denn Hunde sind eben Lebenwessen und kein Züchter, egal wie gut und verantwortungsvoll, kann garantieren, dass der Hund nicht krank wird. Aber mir kommen hier ein paar Beispiele in Erinnerung, bei denen man dem Verkäufer doch eine Mitschuld zusprechen würde, wie zum Beispiel in folgendem Fall: Eine Person kaufte für viel Geld (Und wir reden hier bei Bulldoggen gerne Mal von Preisen wie 2000€ aufwärts!) eine Bulldogge. Kurz darauf stellt sich heraus, dass der Hund zahlreiche Erkrankungen hat, darunter mehrere Keilwirbel, Gelenkprobleme und andere Beschwerden, die das Potential haben, genetisch vererbbar zu sein. Nun hat er ja viel Geld für einen Hund mit Stammbaum ausgegeben, weil er dachte, der Stammbaum garantiere, dass mehrere vorhergehende Generationen seines Hundes auf solche vererbbaren Krankheiten untersucht worden wären und das Risiko der Erkrankungen so minimiert wurde. Und dann stellt sich heraus, dass hier gemogelt wurde. Plötzlich ist der Eingetragene Deckrüde im Stammbaum garnicht der Erzeuger seines Hundes, ein anderer Hund ohne Stammbaum stellt sich als Vater heraus. In so einem Fall wurde ja offensichtlich betrogen und die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass der Hund die Krankheiten von väterlicher Seite – ohne richtige gesundheitliche Untersuchungen – geerbt hat. Und wenn der Züchter das wusste (was ja anzunehmen ist), dann finde ich es gut, dass er Rechte gibt, die ihn zur Verantwortung ziehen. Und leider ist der oben beschriebene Fall keine Seltenheit. Ich habe von vielen schlimmen Fällen gehört, ganzen Zuchtvereinen, die Papiere gefälscht haben sollen und ihre Welpen aus dem Ausland geholt haben sollen und zu ihren eigenen Hunden gelegt haben, Hunde, bei denen Zuchttauglichkeitsuntersuchungen gefälscht wurden und und und.
    In solchen Fällen geht es mir garnicht darum, dass der Hund wie Ware gehandhabt wird, oder zurückgegeben werden soll (wie gesgat, kommt nicht in Frage), aber dass es einen gewissen Schutz gibt, der festlegt, dass ein Züchter einen eben nicht wie es ihm passt betrügen kann.
    Ich habe den Artikel, um den es hier geht, nicht gelesen, kann also nicht beurteilen wie nüchtern der geschrieben ist und ob das ganze darin vielleicht zu sehr rüberkommt, als wäre der Hund nur eine Ware, aber das Prinzip dahinter finde ich nicht verkehrt.

    • Hallo liebe Monika,

      ich verstehe natürlich, was du meinst. Aber im Endeffekt ist das genau das, was ich meine. Warum wartet man, bis “das Kind in den Brunnen gefallen ist”? Warum setzt man nicht vorher an? Und es sollte dann nach meiner Meinung auch nicht um “das Recht der Käufers” gehen, sondern entweder um das Recht des Hundes oder eben darum, dass ein Züchter sich nicht an Regeln gehalten hat. Wozu brauche ich da ein Käuferrecht wie bei einer Sache? Wenn z.B. der Züchter durch Unterlassungen der Gesundheit des Hundes geschadet hat, sollte das strafbar sein, egal wer den Hund gekauft hat. Ebenso wie solche Vorstäuschungen falscher Tatsachen. Wieso brauche ich dafür den Käuferschutz für eine Sache? Weiter sollte wie ich auch geschrieben habe, die gesetzliche Lage für Züchter streng geregelt sein. Es sollte ausgeschlossen sein, dass Züchter aus Profitgier züchten. Ein Hund ist keine Sache, auch wenn er nach Gesetz so behandelt werden muss. Da liegt für mich schon der Fehler im System!

      Liebe Grüße
      Anke

  3. Bei der rechtlichen Definition geht es doch “nur” um eine Definition per se.
    Für mich käme es auch nicht in Frage einen Hud zurück zu geben, nur weil er krank geworden ist. Im Falle von Regressansprüchen ist es aber schon irgendwie ein Fortschritt, dass ein Tier überhaupt eine rechtliche Definition hat.
    Nehmen wir doch nur die StvO: eine Sache muss im Auto gesichert sein.
    Hätte der Hund nicht die rechtliche Definition einer Sache, kämen wohl weit weniger Leute auf die Idee, ihren Hund im Auto zu sichern.
    Ich als Verkäufer habe hier zumindest ein Argument: sichern Sie ihren Hund im Auto, sonst zahlen Sie…
    Sicher ist es ein zweischneidiges Schwert, ein Tier als Sache zu betrachten- kann man ja für sich selbst entscheiden.
    Der Züchter ist verpflichtet, eine fehlerfreie Sache zu liefern und ich habe “Garantie” auf diese Sache. Also eine Rechtsgrundlage.
    Ob ich nun mein Tier daheim als Lebewesen oder Ding behandel, ist dann meine Entscheidung.
    In anderen Ländern hat ein Tier nicht einmal den Rechtsstatus einer Sache- somit finde ich die deutsche Rechtslösung (zumindest in der Theorie) zwar nicht ideal, aber zumindest besser als in anderen Ländern.

    • Hallo liebe Steffi,

      ja, ich weiß, das ist natürlich die Argumentation für eine solche Vorgehensweise. Ich habe oft diesen Satz von Theodor Heuss im Sinn, wenn ich darüber nachdenke, wie Tiere behandelt werden:”Eine der blamabelsten Angelegenheiten ist es, dass das Wort “Tierschutz” überhaupt geschaffen werden musste”. Es gibt auch Länder, wo die Sache mit der Sache im Bezug auf Tiere abgeschafft wurde, also nicht nur so eine “Pseudoänderung” wie wir sie hatten. Man muss sich ja mal überlegen, auch wir Menschen sind genau genommen (Säuge)Tiere und maßen uns an, andere Tiere so zu behandeln. Und was das Argument andere Länder betrifft, finde ich halt, man sollte sich nie daran orientieren, wo es schlechter ist, sondern immer daran, wo es besser ist …

      Aber, wie eingangs schon geschrieben, ich verstehe natürlich, was du meinst.

      Liebe Grüße
      Anke

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